2. Primäre und sekundäre Quellen

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2.1 Primäre Quellen:

Der Ursprung der "Skulpturen" bzw. "Aufstellungen" liegt in der Familientherapie. Als wesentliche Begründerin dieser Methode gilt die amerikanische Familientherapeutin Virginia Satir (1916-1988), jedoch kann man auch behaupten, der norwegische Familientherapeut David Kvebaek habe 1968 mit seinem "Kvebaek Family Sculpture Test - KFST" die Skulpturenmethode ins Leben gerufen.
Die Ausgangssituationen sind jedoch verschiedene. D. Kvebaek versuchte mit Hilfe von Holzfiguren oder Puppen die Situation seiner Klienten und deren familiendynamische Prozesse seinen Kollegen anschaulich darzulegen, ging aber bald dazu über, diese Technik auch in seiner Therapie anzuwenden, indem er den Klienten mit Hilfe der Figuren Beziehungen darstellen ließ, ohne dass hierfür das gesamte familiäre System anwesend sein musste. Für V. Satir dagegen diente die Skulpturenmethode der Familienrekonstruktion bei anwesenden Mitgliedern. Auf diesem Wege wollte sie Problematiken, die sich über Generationen hinweg erhalten haben, bewusst und allen Beteiligten anschaulich in einer bildhaften Situation zugänglich machen. Im Gegensatz zu Kvebaek arbeitete Satir nicht mit Figuren, die die Familienmitglieder symbolisieren sollten, sondern ließ die Mitglieder einer Familie selbst ihr Familiensystem in räumlicher Beziehung zueinander darstellen.

Satir, Virginia: Familienbehandlung. Kommunikation und Beziehung in Theorie, Erleben und Therapie. Freiburg (Lambertus) 1994
Kommentar: Satir gibt in diesem Buch eine allgemeine Einführung in die therapeutische, bevorzugt familientherapeutische Arbeit. Sie nähert sich dem Thema von verschiedenen Gesichtspunkten wie Anforderungen and den Leiter, Voraussetzung für eine Therapie, Beschreibung von Beziehungsschwierigkeiten usw. Damit wird der Rahmen der Skulpturenarbeit besonders deutlich.
Satir, Virginia: Das Satir-Modell. Familientherapie und ihre Erweiterung. Paderborn (Junfermann) 1995
Kommentar: Satir beschreibt in diesem Buch anschaulich den Einsatz von Skulpturen (sculpting), den sie als wichtigen Bestandteil ihrer systemischen Familientherapie sieht.


2.2 Sekundäre Quellen:

Als Anhänger und weiterführende Vertreter des "Kvebaek Family Sculpture Test" gelten die Familientherapeuten Stein Hardeng aus Norwegen, Helm Stearin aus Deutschland und die Amerikanerin Julie Thorsheim. Vgl. dazu auch den Link
http://www.healthyhumansystems.com/KST-History.htm

Bekannt ist auch der Familiensystemtest FAST, für den unter http://www.fast-test.com Informationen verfügbar sind. Dieser klinisch orientierte Test wird auf der Web-Site ausführlich beschrieben.

Wichtige Theoretiker in Zusammenhang mit systemischen Strukturaufstellungen nach Virginia Satir sind u.a. Miltion Erikson und Steve de Shazer, welcher die lösungsorientierte Kurzzeittherapie mitbegründete. Eine wichtige Persönlichkeit in diesem Zusammenhang stellt Bert Hellinger (*1925) dar. Hellinger stützte sich in der Entwicklung seiner eigenen System- und Familientherapie immer wieder auf die Arbeiten von Virginia Satir, Boszormeniy-Nagy und Jakob Moreno. In seinen Aufstellungen lässt er die beteiligten Familienmitglieder von Repräsentanten vertreten, die stellvertretend für diese Gefühle empfinden und Strukturen erkennen sollen. Auf diesem Wege will Hellinger die schnellstmögliche Lösung für die Probleme seiner Klienten erreichen. In diesem Zusammenhang fungiert die Aufstellungsarbeit als eigenständige Form der Kurzzeittherapie. Bert Hellinger ist es mit dieser Variation der Aufstellungen gelungen, einen enorm hohen Bekanntheitsgrad dieser Methode zu erreichen. Allerdings ist die Art seiner Durchführung umstritten, wie noch besprochen werden soll.
Das Ehepaar Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibèd entwickelte gemeinsam ausgehend von Familienaufstellungen einen Ansatz für systemische Strukturaufstellungen. Sie sind heute zwei der wichtigsten Vertreter dieser Methode und haben mit ihrer Arbeit die Grundlage für zahlreiche neue therapeutische Verfahren, darunter auch für die Aufstellungsarbeit, gelegt Vgl. dazu den Link
http://www.aufstellungen.at/theoretiker.htm hier gibt es neben Kurzbeschreibungen der genannten Therapeutinnen auch zahlreiche weiterführende Literaturhinweise.

Wir empfehlen zur Einführung besonders:

Schlippe, Arist von & Schweitzer Jochen: Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung, Van den Hoek und Ruprecht, Göttingen 1997, 2. Auflage.
Kommentar: Schlippe und Schweitzer stellen in diesem Buch zwar kurz, aber prägnant und verständlich die Grundzüge der Skulpturentechnik dar.

Schlippe, Arist von: Systemisches Bewältigungspotential in Familien mit einem asthmakranken Kind. Universität Fachbereich Psychologie. Osnabrück 1986
Kommentar: In diesem Buch wird hauptsächlich über die im Titel angesprochene Problematik geschrieben. Eine Form der Skulpturenarbeit wird als Möglichkeit unter vielen kurz dargestellt und angewendet.

Märtens; Michael: Therapieschäden. Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie. Mathias- Grünewald- Verlag. Mainz .2002.
Kommentar: Dieses Buch befasst sich mit vielen verschiedenen Therapieformen und ihren Schäden. Der Artikel über Aufstellungen und Skulpturen ist zwar kurz aber inhaltlich sehr aufschlussreich.

Varga von Kibéd, Matthias: Ganz im Gegenteil: Tetralemmaarbeit und andere Grundformen systemischer Strukturaufstellungen- für Querdenker und solche, die es werden wollen. Carl- Auer- Systeme. Heidelberg 2002.
Kommentar: In diesem Buch werden vielfältige Anwendungsmöglichkeiten von Skulpturen und Aufstellungsarbeit gezeigt. Es finden sich kurze Beispiele, die anschaulich analysiert werden.

Reich, Kersten: Systemisch - konstruktivistische Pädagogik. Einführung in die Grundlagen einer interaktionistisch - kostruktivistischen Pädagogik. Neuwied; Kriftel: Luchterhand 2002. (S. 242 - 245)
Kommentar: In seinem Kapitel über systemische Methoden gibt Reich u.a. einen Einblick in die Technik der Skulpturenarbeit und beschreibt diese besonders im Hinblick auf ihre Methodenvielfalt.

Hellinger, Bert & ten Hövel, Gabriele: Anerkennen, was wichtig ist. Gespräche über Verstrickung und Loslösung. Kösel - Verlag GmbH & Co, Göttingen 1997, 4. Auflage
Kommentar: Dieses Buch gibt einen Einblick in die Denkweise Hellingers. In Interviewform wird hier sein therapeutischer Ansatz dargestellt. Hellinger gibt in diesem Buch Aufschluss über die Hintergründe und Prinzipien seines Familienstellens. An dieser Stelle sei auf die Kritik zu Hellingers Ansatz in Punkt 3.1. verwiesen.

Hrsg.: Langlotz, Robert: Familien-Stellen mit Psychosekranken. Ein Kurs mit Bert Hellinger. Heidelberg; Carl-Auer-Systeme Verlag 1998.
Kommentar: Langlotz dokumentiert in diesem Buch verschiedene Kurse von Bert Hellinger mit Psychosekranken, bei denen dieser zu therapeutischen Zwecken die Methode des Familien-Stellens anwendet. Der therapeutische Verlauf wird genauestens beschrieben, und im Anschluss an diese Arbeit hat Langlotz zudem nach Jahren die Patienten nachbefragt und die Ergebnisse zusammengefasst.